• Swanje Sagebiel

Der "Um-gang" mit Gefühlen



Wie nimmst du deine Gefühle wahr?

Welche Gefühle nimmst du wahr?

Und wenn du welche wahrnimmst – nimmst du sie auch für wahr?

Die Erziehung in der Gesellschaft hin zu der Auslebung ausschließlich von bestimmten Gefühlen, wie Freude, Scham und überdimensional ausgeprägte Wut, primär jedoch aufs Selbst oder exzessiv ins Außen ausgelebt, ist nicht gesund.

Wir vergessen dabei das alle anderen Gefühle die wir haben, unzwar zuzüglich der bereits genannten Freude, Scham und Wut, noch Angst und Traurigkeit, auch bestehen und gelebt werden wollen.

Spreche ich von mir, kann ich sagen das ich gelernt habe freundlich zu sein und Scham zu empfinden. Wut habe ich eher explosiv erlebt und fand dieses Gefühl deshalb total unangenehm. Darüber hinaus war es mir nicht gestattet in meiner Jugend wirklich wütend zu sein. ‘Man ist ja freundlich zueinander. ’ Hegte ich eine Angst vor etwas, wurde in meinem Umfeld diese als “ach ist doch nicht so schlimm” oder “stell dich nicht so an” betitelt. Und Traurigkeit habe ich soweit ich mich erinnere eher alleine ausgelebt da in Gesellschaft keiner meine Tränen sehen mochte.

Was macht das mit uns? Diese kontinuierliche Unterdrückung und Ignoranz von bestimmten Gefühlen, beziehungsweise überproportionaler Verfügbarkeit von Freude.

Lässt sie uns nicht uns nicht von uns selbst entfremden?

Etwas erleben das wir für andere aber nicht für uns tun?

Meine Erfahrung ist das meist die anderen mit all diesen Gefühlen nicht umgehen können. Sie denken entweder sie müssten jetzt die Welt retten oder das Gefühl schnell wieder wegmachen damit es mir besser geht. Aber womit geht es mir wirklich besser? Wenn ich ständig einen anderen Zustand erstrebe, oder mir einfach erlaube etwas da sein zu lassen. Erfahrungsgemäß Nummer zwei.

Gefühle kommen und gehen. Mit der Atmung rollen sie sich wie eine Welle aus der Körpermitte hinaus in die Freiheit. Wenn ich sie lasse. Halte ich die Luft an, beiße ich die Zähne zusammen oder schlucke ich sie runter, dann halte ich sie fest und schleppe sie die ganze Zeit mit mir rum.

Ich nehme sehr gern Kinder als Beispiel. Wie erlebt Ihr Kinder? Ich erlebe sie in jungen Jahren meist laut und emotional. Das limbische System schießt die Gefühle ohne Rückhalt einfach raus. Und waren sie kurz da, sind sie auch schon wieder weg. Nach lautem Weinen folgt schlagartiges Lachen. Wir älteren rational geprägten Wesen fragen und sagen uns vorerst: “Ist das gerade überhaupt angebracht?”, “Papa und Mama haben immer gesagt das nur die Schwächlinge weinen.” Und schon gehe ich nicht meinem Impuls nach, sondern unterdrücke.

Freud kategorisierte es in das “ES” und “Über-Ich”. Das Über-Ich gibt uns die Regeln, Werte und Normen vor. Und wenn Mama und Papa nun mal gesagt haben “Jungs weinen nicht” oder “Ein Indianer kennt keinen Schmerz”, dann spalte ich als Kind dieses Bedürfnis (ES) der Emotion Angst oder Traurigkeit ab, da Mama und Papa ja schon Recht haben werden. Und schwups haben wir den Salat von Erwachsenen die sich nicht erlauben traurig zu sein oder Ängste zuzugeben.

Ich würde mir wünschen das wir uns von einer Spaßgesellschaft hin zu einem authentischen Miteinander entwickeln. Die alten Muster zu erkennen und überwinden ist nicht leicht. Aber wenn wir es uns alle gegenseitig schon einmal erlauben alle Gefühle da sein zu lassen, mal wütend aufeinander zu sein mit dem Wissen das wir uns danach immer noch liebhaben können, laut zu Schluchzen, weil mich etwas echt traurig macht oder zu sagen das ich Angst davor habe nicht zu wissen ob ich gerade den richtigen Weg beruflich einschlage.

Warum diese falsche Bescheidenheit? Gefühlen machen uns doch menschlich, bringen uns näher, lassen uns wahrlich etwas füreinander empfinden. Und hej, dazu gehört auch das Lachen!

Also wer mich demnächst weinend, tobend, zweifelnd oder laut lachend erlebt: that’s me.


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